Meeting mit Vita und Ernest

Unsere Bloggerin Katja checkt im The Starnbergsee Hideaway ein, um einen Bestseller zu schreiben. Eine Dienstreise inklusive Massage, Herrenbesuch und Strandspaziergängen während der Arbeitszeit...


Eigentlich hatte ich schon Feierabend. Aber dann fiel mir siedend heiß ein, dass ich meinen Bestseller ja noch gar nicht geschrieben hatte. Also lief ich in meinem Kaftan, in dem ich mich fühle wie eine exzentrische Schriftstellerin, zurück in den Konfernenzraum des The Starnbergsee Hideaways, klappte meinen Laptop vor dem Kamin auf, bestellte noch einen Tee, aß einen weiteren Cheescake, nahm noch ein Sandwich und einen dritten Espresso und den Faden wieder auf.

Hier am Südufer des Starnberger Sees, wohin ich vor ein paar Tagen türmte, ist alles ganz wunderbar. Wetter, Essen, meine Laune, die Rosentapete in meiner Suite, einfach wonderful. Klingt wie eine schnulzige Postkarte, ich weiß, vielleicht eine Nebenwirkung von zu viel plötzlichem Frühling, aber ich finde einfach keine anderen Worte als schöne: Sonnenuntergänge so campariorange wie auf Capri, das Rascheln der Daunen, wenn ich morgens die Augen aufklappe, der See vor meinem Fenster, jemand, der für mich Frühstück macht.

Hoffentlich entsteht jetzt nicht der falsche Eindruck: Ich bin nämlich nicht zum Vergnügen hier, sondern geschäftlich. Die Chefin in meiner Rübe genehmigte mir diese Viersterne-Dienstreise, weil ich nach zwei Jahren Pandemie und einem Leben ohne viel Leben nicht mehr die Frau war, die ich gerne wäre: stark, witzig, interessant, ungeheuer gut gelaunt. In meinem Kopf: geistige Windstille. Statt einen Bestseller zu verfassen, schob ich mir jeden Tag gefrorene Blaubeeren in den Mund, saß vor meinem weißen Bildschirm und guckte, saß einfach da und guckte, bestellte Ratgeber über die nahenden Wechseljahre und schlief um 10 Uhr auf meinem Chefsessel ein, also morgens. Als ich wieder aufwachte, war Ende Februar, und ich rief: „Schluss jetzt! So kann das nicht weitergehen. Ich bin doch noch nicht 100!“ Und weil ich einen Ortswechsel bei geistiger Verstopfung für eine feine Idee halte, beschloss ich, Laptop, Notizbuch, Salutini-Öl und ein paar Kleider in mein Köfferchen zu werfen und mich zu verdrücken. Mir fiel The Starnbergsee Hideaway ein, eine halbe Stunde entfernt, direkt am See, großer Garten, Eiben-Auffahrt, lila Samtsofa, ein italienischer Koch, der köstliche Dinge zubereitet, und gemütliche Konferenzräume, in denen man bestimmt auch seine Worte wiederfindet. Ich fand außerdem heraus, dass die Suite Nummer 23 nach der englischen Schriftstellerin und Gartengestalterin Vita Sackville-West benannt wurde und verstand es als Zeichen: Sie soll mehr als 50 Bücher geschrieben haben!

Von da an konnte ich nicht mehr ruhig schlafen. Ich reservierte also meine Bestsellersuite, schrieb meinen Töchtern einen Brief, legte ihn mit Anweisungen (Basilikum gießen, Wäsche abhängen, Müll raus) auf den Esstisch, zog die Tür meines Schreibsalons hinter mir zu - und haute ab: Richtung Süden, Richtung Seeshaupt, Richtung Paradies unter Sonne, Mond und Sternen.

Als ich später an diesem Tag, also nach exakt 28-minütiger Anreise, vor dem Hotel vorfuhr und mein Rollköfferchen über das Kopfsteinpflaster zog, befielen mich Zweifel: Was mache ich hier eigentlich? So mutterseelenallein auf Dienstreise am Südufer des Starnberger Sees. Habe ich mir so viel Großzügigkeit überhaupt verdient? Aber ach, ich bin nunmal ein guter Chef in meinem Einmannunternehmen, sogar Massagen, Herrenbesuch und kleine Nickerchen während der Arbeitszeit wurden genehmigt. Manchmal muss man sich eben selbst austricksen, um die Gedanken und Worte wieder fließen zu lassen, dachte ich, während ich mich hoffnungsvoll an den Türstehern (zwei monströse Löwenskulpturen) vorbeischob und meinen Schreibtempel am See betrat.

Früher nannte ich meine Ausflüge ins The Starnbergsee Hideaway „Käthchens Sommerfrische“. Also nicht, dass ich schon morgens mit einem Glas Champagner über die spanischen Mosaikfliesen in der Hotellobby getanzt wäre, aber es hatte alles etwas mehr von Laissez-Faire: Sonnenbaden den ganzen Tag, ein kühner Sprung vom Steg, hin und wieder ein Törtchen im Popup-Lido oder ein Schwätzchen mit dem Chef Lars Kaiser. Der Grund meiner Reise war dieses Mal aber ein anderer, weswegen ich mich ermahnte: Nicht so trödeln, Frau Schneider, Sie haben Termine. Dann wiederum: Sollte man sich nicht stets etwas Muße gönnen, bevor man sich an die Arbeit macht? Als die Hausdame fragte, ob es erstmal ein Camparisoda sein dürfe, hörte ich mich deshalb sagen: „Och, warum eigentlich nicht?“ und ließ mich auf das riesige Chestersofa im Salon fallen.

Überhaupt kann ich nie genau sagen, wann ich Arbeit habe und wann Freizeit, weil sich alles permanent miteinander vermengt. Am Morgen nahm ich tiefe Atemzüge im Hotelgarten, checkte mit der linken Hand meine Emails im Handy, mit der rechten rührte ich in meinem Kaffee rum, zwischendurch machte ich mir Notizen, belauschte die Gespräche am Nebentisch und prahlte vor einem Pärchen aus Zürich mit meinem Angeberwissen über die hübsche William-Morris-Vogeltapete im Frühstücksraum. Als ich später mein Büro im Konferenzraum aufschlagen wollte, saßen da schon vier Anwälte über Akten, Mineralwasser und Sandwiches, und ich stellte empört fest: Pfff, es gibt echt Wichtigeres als Firmenübernahmen! Also das dachte ich, gesagt habe ich: „Kein Problem, dann schreibe ich meinen Bestseller eben auf meiner Suite.“ Neugierige Blicke. Ich verließ polternd das Kaminzimmer, postierte meinen Wachhund vor meinem Zimmertürchen und tippte diszipliniert ein paar Worte in meine Buchdatei, ohne mich auch nur einmal vom Paradies vor meinem Fenster ablenken zu lassen (ich schwöre!).

Gegen Mittag klingelte mein Wecker, weil ich doch noch so viel zu erleben hatte! Ladies Lunch um halb zwei mit meiner Freundin Ulli von H&W, Yoga um vier, Dinner mit meinem Boyfriend im „Lakeside 800“ um 20 Uhr. Dazwischen drehte ich ein paar Pirouetten vor meinem Influencer-Spiegel, nahm ein Tässchen Tee im Salon zu mir und spazierte in Zeitlupe am Ufer entlang, vorbei an einer Horde Enten, die sich gegenseitig mit lautem Gebrüll aufscheuchten. Das ist aber auch der einzige Stress hier, sonst fließen die Arbeitstage dahin, und ich fließe widerstandslos mit.

Jaja, ich weiß schon, was jetzt alle denken: Na, nach viel Arbeit klingt das nicht! Stimmt, aber ich kann das erklären: Auch Ernest Hemingway behielt sich die Morgenstunden zum Schreiben vor, gegen 11 trank er einen Whiskey, machte ein Schläfchen und, zack, Feierabend. Und weil ich eine strebsame Schülerin bin, machte ich das genauso. Also das mit der Schreibzeit, nicht mit dem Whiskey. Und notierte in meinen Kalender: Von 9 bis 11 Uhr „Hemingway-Hour“.

Es funktionierte nur so mittelgut. Vielleicht bin ich ja eher der Happy-Hour-Typ, sinnierte ich, oder habe einfach nichts zu erzählen. Vielleicht bin ich aber auch nur zu verspannt, innen wie außen, und buchte eine Massage bei Thomas Meder. Ich legte mich auf seine Liege, drückte mein Gesicht in den Frottee-Donut und starrte auf den Fußboden, als lägen dort alle Antworten auf meine Fragen. Als er begann, das warme, südtiroler Öl auf meinem Rücken zu verteilen, hatte ich alle Fragen vergessen. Man kann sich nicht aussuchen, wo man weich wird, dachte ich, während Thomas mit den Unterarmen meine Schulter umschloss. Und vielleicht ist der Panzer auch dafür da, das Weiche im Innern zu beschützen. Vielleicht muss nicht raus, was nicht raus will. Und vielleicht ist das gar kein Mangel, kein emotionaler Defekt, überlegte ich, als er mich an meinen Beinen schaukelte wie eine Wiege. Nach einer Stunde war ich weich wie ein Baby und bereit, loszulassen, dahin zu schmelzen und mich für den Rest meines Lebens an seine Schulter zu lehnen.

Draußen an der Rezeption checkten die Anwälte aus. Sie sahen zufrieden aus und irgendwie menschlicher als wenige Stunden zuvor. Vielleicht hatten sie Firmen/die Welt/oder sonst was gerettet, vielleicht hatten sie auch einfach nur mal tief Luft geholt oder sinnlos auf den See gestarrt, so wie ich. Vornehmes Nicken, Abschiedsworte, die über Köpfe flogen, dann waren sie weg. Ich blieb, verlängerte um einen Tag und fing an zu schreiben. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Genug Worte für 50 Bücher.




BOOK AND ENJOY: Ihr plant auch einen Businesstripp an den Starnberger See oder eine kreative Auszeit für Euer Team? Meldet Euch gern bei uns, am besten via Email an veranstaltung@thestarnbergsee.de oder Tel. 08801-914836 (8 bis 11:30 Uhr). Das aktuelle WORK MAGAZIN mit Preisen findet Ihr hier: www.thestarnbergsee.de/work


















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